Welt-Rundfunk, Heft 1, 1942
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HANS KRIEGLER

Sendergruppe Ostland

      Der Verfasser, früher Intendant des RS. Breslau, dann bis Kriegsausbruch Leiter der Rundfunkabteilung im Reichspropagandaministerium und Präsident der Reichsrundfunkkammer, ist - nach längerem Fronteinsatz - jetzt Leiter der Sendergruppe Ostland.

          Seit Ende 1941 hören die Rundfunkteilnehmer bei der Ansage des Nachrichtendienstes im Großdeutschen Rundfunk, daß neben den Sendern des Protektorats, des Generalgouvernements und des Finnischen Rundfunks auch die Sendergruppe Ostland mit angeschlossen ist. Zu gleicher Zeit erschien in der deutschen Presse die Verfügung des Führers, wonach ein Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete mit Reichsminister Alfred Rosenberg und ein Reichskommissariat Ostland mit dem Gauleiter von Schleswig-Holstein, Hinrich Lohse, als Reichskommissar geschaffen wurden.

          Die Grenzen des Sendegebietes der Sendergruppe Ostland sind identisch mit den Grenzen des Reichskommissariats Ostland. Mit rd. 485 000 qkm ist es etwas größer als Deutschland vor 1933 (471 000 qkm), es ist also das bisher größte Teil-Sendegebiet überhaupt. Im einzelnen gehören dazu:

qkm   Einwohner  
das ehemalige Litauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 800 2 879 000
 ,,        ,,        Lettland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 792 2 000 000
 ,,        ,,        Estland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 550 1 130 000
 ,,    neu geschaffene Weißruthenien mit dem ehemals polnischen Gebiet um Baranowitschi und dem Smolensker Bezirk . . . . . . 311 000   rd. 12 000 000

rd. 485 000 rd. 18 000 000

          Für Litauen wurde Dr. von Renteln, für Lettland Staatsrat Dr. Drechsler, für Estland SA.-Gruppenführer Litzmann und für Weißruthenien Gauleiter Wilhelm Kube als Generalkommissare eingesetzt. Die Generalkommissariate sind wiederum in Gebietskommissariate (in Litauen und Lettland je 6) unterteilt.

          Die Rundfunkorganisation hält sich eng an diese politische und verwaltungsmäßige Gliederung. An Sendern sind vorhanden:

Welle
m
Frequenz
kHz
Sendeenergie
kW
Riga . . . . . . . . .   238,4     1258   15
Modohn . . . . . .   514,6     583   50
Goldingen . . . . .   271,7     1104   50
Libau . . . . . . . .   210        1429     1
Kauen . . . . . . .   1961        153     7
Wilna . . . . . . . .   560        536   50
Minsk . . . . . . . .   1442        208   35
Baranowitschi . .   577        520   50
Smolensk . . . . .   492        610   20
Reval . . . . . . . .   223        1348     1
Dorpat . . . . . . .   584        514     1
Turgel . . . . . . . .   410        731   20

zus. 300 kW

          Kauen, Minsk, Riga und Reval haben als Hauptstädte der Generalkommissariate die Bedeutung von L a n d e s s e n d e r n;  Riga fungiert darüber hinaus am Sitz des Reichskommissars als H a u p t s e n d e r  der gesamten Sendergruppe Ostland. Die übrigen der genannten Stationen, mit Ausnahme von Wilna, werden später reine Strahlungsanlagen ohne eigenen Programmbetrieb. Heute ist noch jeder einzelne Sender - auch der kleinste - gezwungen, ein umfangreiches Eigenprogramm durchzuführen, weil die Sender untereinander nicht durch Leitungen fest verbunden sind. Es besteht auch keine Leitungsverbindung für Rundfunkübertragungen nach dem Reich. Nur der Sender Wilna ist an Kauen und die Sender Libau und Goldingen sind an Riga fest durch Leitungen angeschlossen. Auch in diesem Punkte wird deutscher Aufbauwille in nicht allzulanger Zeit für ein organisches Miteinander- und ein entsprechendes wirtschaftliches Zusammenwirken gesorgt haben.

          Die Strahlungsanlagen und die Rundfunkhäuser wurden dank des mutigen Einsatzes der Bevölkerung vor der Vernichtung durch die Bolschewisten gerettet. Nur in Reval und Turgel (Tueri) sind die Hochfrequenzanlagen durch die Bolschewisten völlig zerstört worden. Heute aber arbeiten bereits alle Sender wieder, wenn auch einige davon nur behelfsmäßig. Mit der vordersten Spitze der angreifenden Truppen sicherten Rundfunkberichter und Rundfunktechniker der Propagandakompanien die Rundfunkanlagen vor der Verwüstung. Sie hielten die Stellung bis zum Eintreffen der Senderbetreuungstrupps. Diese waren der Propagandaabteilung Ostland beim Wehrmachtsbefehlshaber Ostland unterstellt. Mit dem übergang der unter Wehrmachtverwaltung stehenden Gebiete in die Zivilverwaltung wurden auch die Rundfunksender in den zivilen Bereich der Reichs-Rundfunkgesellschaft überführt, und zwar

Kauen, Riga, Modohn am 1. Septembcr 1941,
Goldingen, Libau am 22. Oktober 1941,
Wilna am 1. November 1941,
Minsk am 9. November 1941,
Baranowitschi am 11. November 1941,
Reval, Dorpat am 14. Januar 1942.

          Der Leiter der Sendergruppe Ostland ist in der Abteilung Propaganda beim Reichskommissar als Rundfunksachbearbeiter eingebaut, desgleichen die Leiter der Landessender in den Propagandaableilungen der Generalkommissare. Damit ist auch in allen außerhalb des reinen Programmbetriebes liegenden Rundfunkfragen eine einheitliche Ausrichtung gewährleislet.

          Das Programm nimmt in erster Linie auf die kämpfende Truppe Rücksicht, wobei der Kameradschaftsdienst des Deutschen Rundfunks, die Nachrichten des Drahtlosen Dienstes, die langsame Wiederholung des Wehrmachtsberichtes, die politische Zeitungs- und Rundfunkschau, die Frontberichte usw. infolge der oben näher gekennzeichneten derzeitigen Leitungsschwierigkeiten durch Ballempfang von Reichssendern übernommen werden. Die Ansage erfolgt zweisprachig, in deutsch und der betreffenden Landessprache.

          Soldaten, Rundfunkmänner aus der Heimat und einheimische Kräfte sind die Programmgestalter. Unter den widrigsten räumlichen, verkehrstechnischen, gesundheitlichen und materialmäßigen Umständen wird von diesen in den Rundfunkhäusern weit im Osten eine Kulturarbeit geleistet, die mit dazu beitragen wird, die eroberten Gebiete wieder zu europäischem Kulturboden zu machen.